Flutpolder: MdL Sylvia Stierstorfer fordert gezieltes Staustufenmanagement und weitere Rückhaltemaßnahmen

27.08.2015

Landkreis. Die Sorgen und Ängste der Bevölkerung vor möglichen Flutpoldern im östlichen Landkreis Regensburg liegen bereits seit geraumer Zeit auf dem Tisch. Eine der drängendsten Fragen, die bislang ungeklärt ist, ist die Auswirkung der Polder auf die Grundwassersituation: Wie verhält sich der Grundwasserpegel, wenn die Polder geflutet werden? Wie soll verhindert werden, dass die Keller der Anwohner volllaufen? Die Landtagsabgeordnete Sylvia Stierstorfer, die in dem betroffenen Gemeindeteil Griesau wohnt und die Problematik sehr gut kennt, befürchtet, dass Flutpolder die Grundwasserproblematik weiter verschärfen werden.

Bei einem persönlichen Gespräch im Juni im Bayerischen Landtag, machte sie gegenüber Verantwortlichen des Bayerischen Umweltministeriums deutlich, dass der Grundwasserpegel besonders im Gemeindebereich Pfatter seit zehn Jahren stetig ansteige, trotz Entwässerungskanälen hinter den Deichen. „Durch den Ausbau der Donau hat sich die Situation verschlechtert, sodass die Bürgerinnen und Bürger seither regelmäßig mit nassen Kellern zu kämpfen haben. Wenn man nun Polder baut und diese flutet, könnte eine Überschwemmung von unten erfolgen, weil der Grundwasserpegel nicht beherrschbar ist“, sagte Stierstorfer. Ihr sei es deshalb ein wichtiges Anliegen, mithilfe eines Grundwassermodells die Auswirkungen mit größtmöglicher Sorgfalt zu untersuchen. In einem Schreiben an Staatsministerin Ulrike Scharf hat sie darauf gedrängt, dass der Gemeindebereich Pfatter mit in die Erstellung des Grundwassermodells einbezogen wird. Außerdem fordert die Abgeordnete, dass das Auswahlverfahren für den Grundwassergutachter so transparent und offen wie möglich erfolgt und die Bürgerinitiative gegen Flutpolder in das Auswahlverfahren mit eingebunden wird. Staatsministerin Scharf hat in ihrer Antwort zugesichert, dass ein Vertreter der IG Flutpolder bei der Präsentation des Ingenieurbüros dabei sein wird. Außerdem wird Stierstorfer ein gemeinsames Gespräch mit den beteiligten Behörden organisieren, um nach Lösungswegen zu suchen. Der Gesprächstermin wird voraussichtlich Ende September stattfinden. Die Betroffenen sehen eine mögliche Lösung in der Absenkung des Mindestwasserstands der Donau. Bei dem Gespräch wurde deshalb der Wunsch geäußert, den Einschaltzeitpunkt des Schöpfwerkes Kirchenbach in einem Probebetrieb einige Monate pro Jahr, beispielsweise von Oktober bis Januar, auf den ursprünglichen Pegel NN 319,35 m abzusenken. Dies geschieht zum Beispiel auch am Schöpfwerk Gmünder Mulde ca. 1 km flussaufwärts. Ebenso wurden schon Probebetriebe am Schöpfwerk Pfatter vor etlichen Jahren durchgeführt. Somit könnte man feststellen, wie sich der abgesenkte Donaupegel auf die Grundwassersituation an der Donau auswirkt. Die Zuständigkeit liegt bei der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, bei der Oberen sowie der Unteren Naturschutzbehörde, also der Regierung der Oberpfalz und dem Landratsamt Regensburg.

Durch ein gezieltes Staustufenmanagement, könnte nicht nur die Grundwassersituation, sondern auch ein mögliches Hochwasser in den Griff bekommen werden, so Stierstorfer. „Bevor wir ein solches Großprojekt wie den Bau von Flutpoldern auf den Weg bringen, sollten meines Erachtens weitere dezentrale Hochwasserschutzmaßnahmen eingehend geprüft werden“, fordert die Abgeordnete, die dabei an die Schaffung zusätzlicher Hochwasserrückhaltebecken, sowohl an den anderen großen bayerischen Flüssen, als auch an Gewässern zweiter und dritter Ordnung, denkt. Staatsministerin Ulrike Scharf hat ihr dazu bereits mitgeteilt, dass an den großen südlichen Donauzuflüssen heute bereits umfangreiche Maßnahmen zum Hochwasserrückhalt in Betrieb seien. So wurde beispielsweise an der Iller der Flutpolder Weidachwiesen gebaut, am Lech wurde ein zusätzlicher Hochwasserrückhalteraum im Forggensee aktiviert und im Oberlauf der Isar hält der Syvensteinspeicher Hochwasser zurück. Darüber hinaus werden bayernweit Untersuchungen zu potentiellen Rückhalteräumen durchgeführt. Weitere Projekte zur Verbesserung des natürlichen Rückhalts seien „Licca Liber“ am Lech, die Renaturierung der Mittleren Isar zwischen München und Moosburg oder die Renaturierung der Salzach als dem größten Innzufluss“, erklärte die Ministerin und sicherte gleichzeitig zu, dass die Staatsregierung die Sorgen vor Ort sehr ernst nehme und die Anliegen und Vorschläge, die von den Bürgerinnen und Bürgern im Rahmen der Dialogveranstaltungen eingebracht wurden, sorgfältig ausgewertet und geprüft werden, damit sie im weiteren Verfahren Berücksichtigung finden.